Schöne Bilder?

Sind meine Bilder schön? Was ist Schönheit? Warum fotografiere ich (und viele andere 😉) so gerne Blumen, Landschaften und Sonnenuntergänge?

Eine Antwort hat mir vor einiger Zeit ein Artikel in der Zeitschrift „Die Zeit“ gegeben. „Schönheit rettet“ hieß es dort. Die Antwort, die ich für mich gefunden habe: weil das Schöne meiner Seele gut tut, egal ob Blümchenfotografie oder Bilder mit Anspruch. Und manchmal, weil ein Sonnenuntergang wie eine Wärmflasche sein kann. Der Zeitartikel hat mich beeindruckt und ich möchte die wesentlichen Gedanken dazu hier festhalten. Und wie sollte es anders sein, begleite ich meine Gedanken mit Bildern von Spaziergängen durch den Berggarten in Hannover.

Der Zeitartikel besteht aus Briefen von zwei Kriegsreporterinnen, die einander berichten, wie sie Schönheit in den Krisengebieten wahrnehmen, was sie den Frauen dort in dem Elend bedeutet und erkennen darin, was Schönheit für sie selbst bedeutet.

Das Bemühen um Schönheit gibt Würde.

Sie beschreiben das Bedürfnis der Frauen, ihre eigene Würde zu bewahren, indem sie ihren Körper pflegen und sich um ihre Schönheit bemühen: sich schminken, die Haare pflegen, sich modisch kleiden. „…und solange sie das taten, ahnte ich, dass sie die Erschütterungen ihres Lebens aushalten würden. Sorgen muss man sich um jene, die nichts mehr für sich tun. Die haben aufgegeben.“

Schönheit und Harmonie sind Bedürfnisse für die Seele wie essen und trinken für den Körper.

Wie sehr das so ist, wird wohl erst unter so extremen Bedingungen offensichtlich. „Wann immer ich zum Beispiel in Bagdad bin, verändert sich mein Farbempfinden. Meine Augen werden auf Diät gesetzt, sie müssen sich mit dem dominierenden Militärgrün begnügen, mit dem Sandsackbraun, Betongrau und Stacheldrahtsilber.“ … „Also kaufe ich mir nach jeder Bagdad-Reise ein paar teure Design-Zeitschriften. Architektur, Möbel, von mir aus auch Mode. Dann starre ich wie hypnotisiert auf unerschwingliche, aber wundervoll geschwungene Stühle. Oder auf ein Kleid von Vivian Westwood, das ich nicht mal unter Drogen anziehen würde.“

Das Streben nach Schönheit kann subversiv, widerständig, ja politisch sein.

Denn Hässlichkeit sei „… ein Mittel der Unterdrückung, und es funktionierte wunderbar im Sozialismus. Die Hässlichkeit frisst den Menschen, und wer dieser Trostlosigkeit nichts entgegenzusetzen hat, wird aufs Furchtbarste entmündigt.“

und schließlich:

Schönheit liegt im Auge des Betrachters,

weil jeder Betrachter seine eigenen Gefühle und Empfindungen an das Betrachtete knüpft. „Vielleicht ist es ja auch erst unser Blick, der die Dinge schön macht? Für meine Mutter entstand die Schönheit durch die Erinnerung an etwas, das zu wertvoll war, als dass sie es loslassen konnte. Unsere Erinnerungen zeichnen das Gewöhnliche schön. Deshalb kommt mir die Schönheit manchmal so intim und verletzlich vor.“

oh, und ja, diesem Satz kann ich nur aus ganzem Herzen zustimmen:

„Schönheit ist ja nicht das, worauf sich alle einigen können. Sondern der Moment, in dem jemand nicht anders kann, als innezuhalten.“

Manchmal lädt eben auch Blümchenfotografie zum innehalten ein.

Zitate aus: Alice Bota und Andrea Böhm: „Schönheit rettet“, in: Die Zeit vom 12.04.2017, Jg. Nr. 16, Seite 53-54.


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