Ohne Farbe

Ein Gestaltungsmittel in der Fotografie ist die Farbe – bzw. ihr Abwesenheit: Bilder in Schwarz-Weiß. Ich habe ein weiteres Kapitel von Robert Mertens gelesen, in dem er sich mit diesem Thema beschäftigt. Das Kaptiel ist überschrieben mit „Blick in die Seele … oder: Wieso farbig, wenn mit Schwarz-Weiß alles gesagt werden kann?“
In Schwarz-Weiß können sich Fotograf und Betrachter besser auf das Wesentliche konzentrieren. Keine Farbe lenkt ab vom Wesentlichen. Besonders gut funktioniert das bei Portraits und bei Bildern mit eher grafischem Charakter. Durch den Wegfall der Farbe werden andere Gestaltungsmittel wichtiger: Licht und Schatten, Formen, Kontraste, Strukturen. Das Weglassen von Farbe ist eine besondere Form der Verfremdung und Abstraktion der Wirklichkeit. Bei geeigneten Motiven wird die Bildaussage deutlich verstärkt. Und hierin liegt auch der besondere Reiz von Schwarz-Weiß-Aufnahmen für mich.
(Robert Mertens: Der eigene Blick. Rheinwerk Verlag, Bonn, 2016, S. 308-311)

In meinen Worten klingt das dann eher etwas schlichter und in etwa so: Manche Motive funktionieren in Schwarz-Weiß – andere nicht. Bei manchen Bildern haben beide Varianten ihren Reiz. Bei manchen weiß ich das bereits bei der Aufnahme, bei anderen stelle ich es erst während der Bearbeitung fest.

Ich habe mich ein wenig in meinem Archiv umgeschaut und möglichst unterschiedliche Motive zum Vergleich ausgewählt – einmal in Farbe und einmal als Schwarz-Weiß-Bearbeitung.

Skepsis hatte ich vor allem bei Landschaftsbildern.

Geht das in Schwarz-Weiß?

Oh, beide gefallen mir, aber es sind verschiedene Bilder. Das Blau des Himmel fehlt mir beim Zweiten aber schon ein wenig. Die Konzentration auf das Wesentliche durch Schwarz-Weiß finde ich bei diesem Bild nicht.

Anders bei der Aufnahme dieses Baumes. Beim Farbbild lenkt der blaue Himmel die Aufmerksamkeit auf sich.

Im Schwarz-Weißen Bild steht der Baum im Mittelpunkt, die filigranen Zweige und der helle Stamm. Das hätte ich gar nicht gedacht, wie gut der Baum in Schwarz-Weiß wirkt. Vor allem auch, weil die Aufnahme für mich Frühling ausstrahlt und ich damit Farbe verbinde.

Wie wirkt sich der Farberlust bei Aufnahmen von Blüten in Knallfarben aus?

Beides gut. Das Schwarz-Weiß hat mehr Leichtigkeit. Aus rosarot und Sommer wird weiße Träumerei.

Altes Holz – da klappt Schwarz-Weiß eigentlich immer. Mehr Charakter steht dann gern in Interpretationstexten. Lenkt die Farbe von den Holzstrukturen ab?

Ebenso gewinnen Straßenszenen auch oft in Schwarz-Weiß. Hier schlägt das monochrome Bild eindeutig das farbige, finde ich.

Hier kommt die Stimmung besser an. Farben lenken ab.

Weniger eindeutig erscheint mit diese Straßenszene. Lebendigkeit und die besondere Athmosphäre der regennassen Straße entsteht hier auch durch die Farbe im Bild und macht die Bildwirkung aus. Das Schwarz-Weiße wirkt ruhiger.

Das war jedenfalls ein sehr interessantes Wühlen in meinem Archiv, mit der einen oder anderen Überraschung, was so in manchen Aufnahmen steckt. Letztlich muss man sich jedem Motiv anschauen, wie es mit und ohne Farbe wirkt.

5650login-checkOhne Farbe

2 thoughts on “Ohne Farbe

  1. Eine Tolle vergleich … dadurch kann man Vorteile von SW Fotografie entdecken .
    Ja das letzte Bild Lebt durch die Farben vor allem in dem Spiegelung. Aber die Bilder davor vor allem Birken und der Unterführung …SW sieht einfach Perfekt

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